Kann Cannabis beim Meditieren helfen oder steht es dem klaren Geist im Weg?

Diese Frage spaltet die buddhistische Tradition seit Jahrhunderten. Der Theravada-Buddhismus sagt: Bewusstseinsverändernde Substanzen trüben den Geist und untergraben die klare Achtsamkeit. Im Traditionen wie dem Vajrayana-Tantrismus Tibets, Nepals und Nordindiens wurde Cannabis dagegen gezielt eingesetzt, als möglicher Katalysator für meditative Tiefe. Bis heute nutzen Sadhus z.B. in Nepal Cannabis rituell beim Shiva-Fest am Pashupatinath-Tempel.

Buddhistischer Tempel, Sinnbild, AI generiert
Buddhistischer Tempel, Sinnbild, AI generiert

In meinem Artikel „Cannabis und Meditation“ auf weed.de bin ich auf dem Hintergrund meiner eigenen Forschung über das Cannabis High der Frage nachgegangen, was wir heute darüber wissen – und was wir nicht wissen.

Einige Punkte, die mir wichtig sind:

1. Nutzer beschreiben das Cannabis-High als vielschichtig: intensivere Sinneswahrnehmung, stärkere Körperwahrnehmung, lebhaftere Vorstellungskraft, und viele weitere Modulationen des Bewusstseins werden beschrieben. Ich spreche hier vom „multidimensionalen High“, welches übrigens je nach Dosis, Sorte und Produkt und anderen Faktoren unterschiedlich aussehen kann. Diese verschiedenen Effekte könnten einzelne Meditationsformen unterschiedlich beeinflussen, etwa eine Body-Scan Meditation anders als eine Mantra-Meditation.

2. Neurowissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass THC das Default Mode Network im Gehirn moduliert. Das könnte die Aufmerksamkeit stärker nach innen lenken, aber auch das Abschweifen der Gedanken fördern und den anhaltenden Fokus erschweren.

3. Was oft übersehen wird: Auch Meditation selbst hat Nebenwirkungen. In einer Studie von Britton et al. (2021) berichteten 58 % der Teilnehmenden eines achtwöchigen Achtsamkeitsprogramms von negativen Effekten, darunter Angst, Schlafstörungen und dissoziative Zustände. Cannabis kann ähnliche Effekte auslösen. Eine Kombination kann diese Risiken möglicherweise verstärken.

Mein Fazit: Das uralte Thema verdient eine neue, ehrliche, differenzierte Betrachtung. Es braucht weder Verklärung noch reflexhafte Ablehnung, sondern mehr Forschung, informierte Entscheidungen und einen verantwortungsvollen Umgang.

 

Share this

Share your thoughts